Verhaltensabweichungen durch Schmerz

Cook unterscheidet eine Reihe von im schmerzhaften Zusammenhang mit dem Gebiss stehenden Verhaltensproblemen. Er zeigt klar auf, dass durch das Gebiss verursachte Abweichungen vom gesunden, normalen Verhalten oft in Zusammenhang mit andern schädigenden Faktoren auftreten.

Erstaunlich ist, wie lange es oft dauert, bis sich die Pferde wirklich ernsthaft dagegen wehren.

Auf Cooks „schwarzer Liste“ stehen:

  • Sämtliche unter dem Begriff „Fehlhaltungen“ bekannten Haltungsfehler: hinter dem Zügel, auf dem Zügel, gegen den Zügel, über dem Zügel
  • „Zungenfehler“: Pferd streckt die Zunge aus dem Maul
  • Maul wird aufgesperrt (wenn möglich!)
  • permanente, übermässige Bewegung von Unterkiefer und Zunge
  • geht überzäumt (eingerollt) bei mangelnder Hinterhandaktivität
  • weggedrückter oder/und festgehaltener Rücken
  • beisst sich auf dem Gebiss fest
  • deutliche Zunahme von hörbaren, abnormalen Atemgeräuschen bei zunehmender Versammlung
  • widersetzt sich dem Zäumen
  • grundsätzlich „widersetzlich“, auch am Boden, im Umgang

usw.

Diese Verhaltensweisen können durch Schmerzen durchs Gebiss verursacht sein. Meist kommen noch andere Einflüsse dazu:

  • Bewegungsmangel, schlecht angepasste Ausrüstung, Haltungsfehler (Einzelhaft, kein Auslauf, kein Licht/Luft, Langweile), Fütterungsfehler, Trainingsfehler (Überforderung psychisch und physisch, grobe Behandlung) usw.

Dass der Reiter durch das Gebiss dem Pferd, ob bewusst oder unbewusst, massive Schmerzen zufügen kann, darauf machten schon die frühesten Reitmeister aufmerksam (Xenophon). In jedem Buch über Ausrüstung, über die Hilfengebung, übers Reiten grundsätzlich, unabhängig von der Reitweise wird gewarnt, welchen Schaden Gebisse anrichten können.

Da wäre es doch mindestens eine genauere Betrachtung derselben wert und ein kritisches Hinterfragen, ein Abwägen von Nutzen und Schaden.

Wenn der Schaden grösser ist als der Nutzen, macht es dann wirklich Sinn, Dinge und Traditionen weiter zu verfolgen ohne sie weiter zu entwickeln?!

Fritz Stahlecker, Dressur-Ausbilder in Baden-Württemberg, bekannt geworden durch sein Ausbildungskonzept der „Hand-Sattel-Hand-Methode“, nimmt kein Blatt vor den Mund: „Wenn viele seit Generationen das Gleiche machen, ist oft etwas faul! Wer gegen den Strom schwimmend tradierte Gewohnheiten kritisch prüft, kommt zu dieser Erkenntnis. (…)“